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Hamriyanım – Frau Teig

Übersetzer (in unserer Datenbank):
Roman

Aus dem Türkischen von Recai Hallaç.

Erlangen: Sardes Verlag 2007.

317 Seiten. ISBN 978-3-9810419-6-5

Vor 20 Jahren erschien in der Türkei Habib Bektaş‘ Roman „Hamriyanım“, für den er 1989 in seinem Heimatland mit dem renommierten Milliyet-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. In diesen zwanzig Jahren, so muss man heute nach der Lektüre der deutschen Erstausgabe feststellen, ist nicht viel geschehen, hat sich die Situation der in Deutschland lebenden Menschen mit migrantischem Hintergrund nicht grundsätzlich geändert, sind soziale Stellung und Integration im Sinne von Gleichberechtigung Fremdwörter geblieben. Vielleicht muten die mitunter hektischen und zu gut gemeinten Aktionen der Figuren aus den 80er Jahren mittlerweile etwas sozialromantisch an: der Kampf einer Handvoll junger Menschen gilt einer rassistischen Ausländerpolitik (Bektaş greift hier den authentischen Fall des Flüchtlings Cemal Altun auf, der sich 1983 durch Selbstmord einer Abschiebung in die Türkei entzog und aus dem Fenster des Berliner Verwaltungsgerichts sprang), die das Schicksal und den Anspruch auf Freiheit des Einzelnen ignoriert. Die deutschen, türkischen und griechischen Frauen und Männer sind auf der Suche nach einer menschenwürdigen Gesellschaft, sie wollen der Einsamkeit um sich herum entfliehen, sie wollen Brücken bauen. Aber sie scheitern: ihr Engagement erschöpft sich in Parolen, ihr Denken erstickt in Sprachlosigkeit, ihre Liebe stößt an Grenzen des Egoismus und stirbt an der Unmöglichkeit, kulturelle Eigenheiten zu akzeptieren.

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