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Vedat Dalokay Schwester

Schwester Schako und Kolo, die Ziege: eine Kindheit in der Türkei

Übersetzer (in unserer Datenbank):

Kinderroman
Mit Bildern von Julia Kaergel. –
Weinheim : Beltz und Gelberg, 1997. – 98 S.
Kinder werden seltsam erwachsen bei uns“, sagte meine Großmutter, „sie schießen nicht so in die Höhe wie die schönen blonden Kleinen, das nicht. Unsere Kinder sind noch Knirpse, müssen aber schon Totenwache halten oder sich mit zehn Körnern Gottesgabe am Tag begnügen. Sie haben wenig Zeit zum Spielen. So satt und alt sind ihre Augen, daß man ihnen zur Freude bunte Glasperlen in die Barthaare fädeln würde, hätten sie nur einen Bart.“
Der zehnjährige Sohn des Dorfvorstehers Aga Mustafa ist solch ein Kind. Eines Morgens steht er bis zu den Knien im Wasser des Wilden Flusses, auf der Suche nach flachen Steinen zum Aufknacken von Mandelschalen. Da wird er plötzlich am Arm gepackt, es ist Schwester Schako, die ihn vor den Teufelsgruben, den gefährlichen Löchern am Grund, warnt. Ihr Mann und ihre beiden Söhne sind einer Blutfehde zum Opfer gefallen, sie hat ihr Dorf verlassen und wohnt nun, zusammen mit ihren sechs Ziegen, in einem Lehmziegelstall. Eine schöne Freundschaft entspinnt sich da zwischen dieser lebensweisen Frau und dem Kind, das sich bei ihr jeden Morgen nach dem Aufwachen sein mit Rahm bestrichenes Fladenbrot holt…
Man möchte dieses schön gebundene Büchlein nicht aus der Hand legen, die Bilder von Julia Kaergel immer wieder anschauen. Dieses Buch ist ein Kleinod, ein Geschenk Gottes, das man hütet wie seinen Augapfel.
Feridun Zaimoglu

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