türkischdeutsche-literatur

Nasreddin Hoca

(Nasreddin Hoca)
„Der Sarkophag Nasreddin Hodscha in Aksehir, wo er gestorben ist und noch heute sein Grab gezeigt wird, trägt eine Inschrift mit dem Todesdatum 386; wenn man es, sozusagen als letzten Scherz des türkischen Eulenspiegel, von hinten liest, ergibt sich das wirkliche Sterbejahr: 683 mohammedanischer Zeitrechnung (1284/85). Geboren wird er 1208 in Horto, einem Dorf bei Sivrihisar in Westanatolien. Jahrhundertelang werden die Schwänke und Anekdoten dieses „Volksphilosophen“ ausschließlich mündlich überliefert. Von den im Umlauf befindlichen Schnurren werden ihm etwa dreihundert zugeschrieben. Die älteste Handschrift, die sich heute im Besitz der Leidener Universitätsbibliotkek befindet, stammt aus dem Jahr 1625.
„..Die erste deutsche Ausgabe erscheint 1855 und steht in Österreich lange Zeit auf dem Index verbotener Bücher, getreu der Überzeugung des königlich-bayerischen Universitätsdozenten Hermann Ethé, der 1872 über diese literarischen Kleinode schreiben wird: „Nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl derselben hält sich in den Grenzen des Anstandes.“ Seitdem hat das Werk Nasreddin Hodschas in Hunderten von Ausgaben Verbreitung gefunden; daneben lebt es aber auch in der mündlichen Tradition weiter. Nasreddin Hodscha wirkte nicht nur über den türkischen Sprachraum hinaus — er überwand sogar Religionsgrenzen. Seine Geschichten sind auf dem Balkan, im Kaukasus, an der Wolga, auf der Krim, in der Ukraine und Südsibirien ebenso bekannt wie in Nordafrika und Süditalien; sie drangen bis an die Grenzen Chinas vor...“57
Zu Nasreddin Hodscha vgl. auch:
W. v.Camerloher: Meisters Nasreddins Schwänke. Auswahl und Übersetzung: Triest, 1855
G. Hetzel: Ein Heiliger, der kein Heiliger war. Schwänke aus dem Leben des Hodschas Nasreddin. Potsdam,1931
Leonid Solowjow: „Die Schelmenstreiche des Hodscha Nasreddin“, Frankfurt a. M., Fischer, 1990, 320 S.
Otto Spies: Hodscha Nasreddin, Ein türkischer Eulenspiegel, Berlin, Weltgeist, 1920
Albert Wesseleski: Narren und Gaukler, Bd.III und IV Der Hodscha Nasreddin, Weimar, Duncker, 1911
Der Hodscha Nasreddin. 515 Schwänke. 2 Bde., Weimar, 1921
Irene Witzel: Der Hodscha Nasreddin in der persischen und türkischen Volksdichtung. Diss., Tübingen, 1948

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