türkischdeutsche-literatur

Baykurt, Fakir

1929 – 1999

Geboren 1929 in Akçaköy/Burdur, gestorben 1999 in Essen. Der Bauernsohn Fakir Baykurt ist der erste türkische Schriftsteller, der aus einem der reformpädagogischen Dorfinstitute hervor gegangen ist, in denen man der armen ländlichen Jugend eine umfassende, berufsorientierte Ausbildung vermittelte. Er wurde Lehrer in der Provinz und studierte später Pädagogik in Ankara und Indiana, USA. Auch als Gewerkschafter war er sehr aktiv, später arbeitete er als Verlagsleiter und Berater im Kultusministerium. Baykurt siedelte 1979 nach Duisburg um, wo er als Lehrer und Schriftsteller arbeitete. Als bedeutendster Vertreter der Dorfliteratur gehört er zu einer Gruppe von Schriftstellern, die das Leben in der ländlichen Türkei thematisieren. Sein erster Roman Yılanların Öcü (Die Rache der Schlangen 1958) spiegelt die bittere Realität in anatolischen Dörfern wider und erregte großes Aufsehen. Der Autor wurde angeklagt, aber freigesprochen. Literaturpreise u.a. Yunus-Nadi-Preis 1958, Sait-Faik-Preis 1974. Mehrere seiner Werke wurden verfilmt oder als Theaterstücke aufgeführt.

Nach seinen eigenen Worten hält er es für nötig, „das Bewußtsein und das Unterbewußtsein des Volkes, sein Leiden und seine Sehnsucht, seine Situation in der Vergangenheit und in der Gegenwart so darzustellen, daß das Volk aufgerüttelt wird“.

Werke

von Bilder/Resimler von Tonguç Baykurt. Duisburg: ohne Verlag, 1984, 48 S.

In: Von Istanbul nach Hakkari,
S. 135-145

In: Türkische Erzählungen des 20. Jahrhunderts, S. 74-85

Das Epos von Kara Ahmet

Roman
Teil III der „Irazca – Trilogie“
Berlin: Ararat Verlag, 1984, 474 S.,
ISBN 3-921889-07-3.

Duisburg, Stadtbibliothek Duisburg, 1984, 14 S.

In: Die Pforte des Glücks, S. 309-319

Illustriert von Tonguç Baykurt. Duisburg: ohne Verlag, o. J., 47 S.

Erzählung
In: Akzente. Heft 6 / Dezember 1980,
S. 566-574

Die Friedenstorte / Baris Çöregi

Berlin, Ararat Verlag, 1980, 95 S.
Neuaufl. Oberhausen, Ortadogu Verlag, 1994, 120 S.

Die Rache der Schlangen

Roman
Teil I der „Irazca – Trilogie“.
Berlin: Ararat Verlag, 1981, 221 S.

Oberhausen, Ortadogu, 1988, 129 S.
In einem Vorwort von Jörg Kuglin wird Fakir Baykurts literarisches Schaffen gewürdigt. Die neun Erzählungen stammen aus den Jahren 1979 bis 1982.

Märchen
Illustrationen von Tonguç Baykurt
Oberhausen, Ortadogu, 1987, 150 S.

Erzählung
In: Die Pforte des Glücks, S. 304-310

Ein langer Weg

Erzählgedichte
Oberhausen: Ortadogu Verlag, 1992,
112 S., ISBN 3 925206 69 8

Bearbeitung: Johannes Fest
In: Jahresring 84-85. Jahrbuch für Kunst und Literatur.22
Stuttgart, 1984, S. 74-80

Hrsg. von den Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher.
Illustriert von Tonguç Baykurt. Redaktionell bearbeitet von Johannes Fest.
Duisburg, 1987, 112 S.

Halbes Brot

Der ultimative Duisburg-Roman der türkischen Einwanderung

Halbes Brot (Org.: Yarim Ekmek, 2007, Literatür Verlag, Istanbul)
Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe
Duisburg, Dialog Edition, 2011, 436 S.
ISBN: 978-3-9812594-3-8

„Der ultimative Duisburg-Roman der türkischen Einwanderung. Mit seinem nun erstmals in deutscher Übersetzung erschienenen „Halbes Brot“ schuf Fakir Baykurt eine Menschenlandschaft türkischer Migrantenfamilien in Duisburg der 1980er Jahre – und damit das Panorama türkischer Einwanderung ins Ruhrgebiet.

„Halbes Brot“ ist eine Familiengeschichte, Liebesgeschichte und Roadnovel zugleich. Es dreht sich um das Schicksal der Deutschtürkinnen Kezik Acar und ihrer drei Kinder, die in Duisburg leben.

Früh verwitwet, kam Endvierzigerin Kezik Acar mit ihren Kindern nach Duisburg, wo sie als Tellerwäscherin in der Spülküche eines Altenheims arbeitet. Mit ihrem bescheidenen Lohn hat sie es immerhin zur Hausbesitzerin gebracht und eines der denkmalgeschützten Vorkriegshäuser im Duisburger Stadtteil Hochfeld erworben.

Für Kezik Acar ist die Sache klar: Sie will in Deutschland bleiben und möchte ihren verstorbenen Mann möglichst nahe bei sich haben, ja später auch neben ihm beigesetzt werden. Anders als ihre Landsleute macht sich die Mutter dreier in Deutschland aufgewachsener Kinder keine Illusionen darüber: Sie weiß, dass ihre Kinder in der neuen Heimat verwurzelt sind... und so will auch sie hier bleiben. Und dazu gehört, dass ihr geliebter, zu früh verstorbener Ehemann nahe bei ihr ist, also in Deutschland, damit sie hier um ihn trauern kann. Für Kezik, die seinerzeit nach dem tragischen Bahnunglück, bei dem der „Eisenbahner Mustafa“ ums Leben gekommen war, den Leichnam im Heimatdorf (und nicht in der Unglücksprovinz) hatte beisetzen lassen, erscheint es völlig natürlich, die Gebeine nun transnational zu bewegen und aus der Türkei nach Deutschland zu bringen. Für alle anderen erscheint dieses Ansinnen kurios. Doch davon lässt sich Kezik Acar nicht beirren.

Fakir Baykurt hat damit einen wichtigen Roman über die allmähliche Etablierung der Einwanderer geschrieben, und er hat den Prozess der Sesshaftwerdung und Niederlassung in vielfältiger Weise beschrieben. So eröffnet er nicht nur die Innensicht auf seine eigentliche Romanheldin, die „Gastarbeiterin“ Kezik Acar und ihre Familie, sondern er verleiht durch zahlreiche Figuren aus ihrem türkischen Umfeld auch der vielfältigen türkischen community von Duisburg eine Stimme.

Es ist Baykurts Verdienst, diesen Prozess auch durch Ausschnitte aus der Ratsversammlung in Duisburger Rathaus und den Kontroversen Redebeiträgen verschiedener politischer Anhänger anschaulich gemacht zu haben...“

Dr. Karin Yesilada
Universität Paderborn

Erinnerungen
Hrsg. von der Stadtbibliothek.
Duisburg,  1984, 32 S.
Hückelhoven, Anadolu Verlag, 1997,
143 S., ISBN 978-3-86121-063-4

Mutter Irazca und ihre Kinder

Roman
Teil II der „Irazca – Trilogie“.
Berlin: Ararat Verlag, 1981, 184 S.,
ISBN 3-921889.06-5

Nachtschicht und andere Erzählungen aus Deutschland

Zürich: Unionsverlag, 1984, 158 S., ISBN 3-293-00062-2

Sakarca, der Hahn

Märchen für 8-80jährige
Oberhausen, Ortadogu, 1987, 133 S.

Märchen
Illustrationen von Tonguç Baykurt
Oberhausen, Ortadogu, 1987, 148 S.

Oberhausen, Ortadogu, 1988, 108 S.

Erzählungen
Hückelhoven, Anadolu Verlag, 1997,
143 S., ISBN 13: 978-3861210641

In: Geschichten aus der Geschichte der Türkei, S. 125-141

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