türkischdeutsche-literatur

Atilgan, Yusuf

Yusuf Atılgan wurde 1921 in Manisa (Westanatolien) geboren. Nach dem Abitur studierte er in Istanbul Literatur. 1945 arbeitete er ein Jahr lang als Türkischlehrer, zog sich dann aber aufs Land zurück. Erst 1976 kehrte er wieder nach Istanbul zurück, wo er für verschiedene Verlage als Übersetzer und Lektor arbeitete. 1989 starb Yusuf Atılgan in Istanbul. Er gilt als ein herausragender, sensibler und eigenwilliger Erzähler.

Werke

Der Müßiggänger

Roman
Nachwort von Yüksel Pazarkaya
Zürich, Unionsverlag, 2007, 256 S.,
ISBN 3-293-10008-2
Wie „eine schwankende Brücke ohne Geländer“ ist das Leben für den jungen Flaneur. Ziellos treibt er durch die Straßen Istanbuls. Er geht in Kinos, trifft sich mit Künstlern und macht sich einen Spaß daraus, die Heuchelei der anderen zu entlarven. Mal provoziert er Passanten, mal Kellner in den Cafés, immer ist er unglücklich und auf der verzweifelten Suche nach der Frau seiner Träume.
Eines Tages erblickt er ein Mädchen im blauen Regenmantel; er spürt, dass sie die Gesuchte ist. Sie steigt in einen Bus und fährt davon. Verzweifelt stürzt er ihr nach und kommt dabei fast unter die Räder. Er weiß, er hat sein Glück im gleichen Augenblick gefunden und wieder verloren.
Yusuf Atilgan erregte mit seinen Schilderungen von Haltlosigkeit und Entfremdung Aufsehen, weil er damit die Werte der jungen Türkischen Republik in Frage stellte.

Hotel Heimat

Roman
Hamburg: Verlag am Galgenberg, 1985, 167 S., ISBN 3-925387-05-6

„Im Mittelpunkt dieses zugleich beklemmenden und faszinierenden Romans steht der Verwalter eines kleinen Hotels in einer türkischen Provinzstadt, der in Gesellschaft eines schläfrigen Dienstmädchens und einer Katze in diesem Hotel lebt und dessen Leben erstarrt ist in monotoner Pflichterfüllung, bis die Begegnung mit einer schönen Frau, Hotelgast für eine Nacht, ihn aus dem Gleichgewicht bringt. Die Unfähigkeit, mit Gefühlen umzugehen, zu der dieser Mann verdammt ist — und die, wie der Autor zu verstehen gibt, ein Merkmal der in Konventionen erstarrten türkischen Gesellschaft ist — führen zu einer ausweglosen Krise, die mit dem Tod endet. Der renommierte türkische Autor (Jahrgang 1921) versteht es meisterhaft, die inneren Bewegungen seines Protagonisten in Handlungen umzusetzen.“19 

In: Geschichten aus der Geschichte der Türkei, S. 106-110

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