türkischdeutsche-literatur

Abdal, Pır Sultan

ca. 1520 - 1590

Von Pir Sultan Abdals Leben ist nichts überliefert, was als gesichert gelten könnte. Die spärlichen Informationen werden aus seinen Gedichten sowie aus den unzähligen Legenden abgeleitet, die das anatolische Volk seit Jahrhunderten erfindet und erzählt. Demnach dürfte er im 16. Jh. in der Gegend von Sivas gelebt haben, etwa zwischen 1520 und 1590. Als Geburtsort gibt er in einem seiner Gedichte das Dorf Banaz an. Die Dichtung Pir Sultan Abdals steht in der Tradition der anatolischen Volksdichtung religiösen Ursprungs, als deren Gründergestalt der große Volksdichter und Mystiker Yunus Emre aus dem 13. / 14. Jh. gilt. Deutlicher als der Einzelgänger Yunus Emre war Pir Sultan Anhänger einer bestimmten islamisch-mystischen Glaubensrichtung, des Alevismus-Bektaschismus, und gilt als bedeutendster Dichter dieser religiösen Strömung. Pir Sultans Dichtung, mit seiner lakonischen, heute noch gut verständlichen Sprache, seinen aktuellen Themen und seiner modern anmutenden Geisteshaltung steht heute noch im Mittelpunkt des Interesses.

Gedichte v. Pir Sultan Abdal, in: „Aus dem goldenen Becher“ und andere Anthologien v. Annemarie Schimmel. In: Yunus Emre, „Daglar ile Taslar ile“ und in: Sirene, Zeitschrift für Literatur 1 / 1988. Zafer Şenocak, in:Kindlers neues Literatur Lexikon

Werke

Hrsg. von Jacob Georg
Berlin 1901 (mit Literaturverzeichnis)

12 Gedichte
Sirene. Zeitschrift für Literatur. Nr.1, 1988

Volksroman
Hrsg. Hans-August Fischer, Leipzig, 1929

Hrsg.  Rudolf Frank
Berlin, Mayer & Müller, 1911, 134 S. (Türkische Bibliothek, 14)

Ein Märchen. 1918, 98 S.
Alle drei Hefte bearbeitet und aus dem Türkischen von Sebastian Beck
Heidelberg, J. Groos (Der islamische Orient, Abt.I: Türkische Schriften)

Gestaltungs -und Spielanregungen von Ilse Juntschke
Gütersloh, Gütersloher Verlag, o.J., 93 S.

Hrsg. von Theodor Menzel
Bd.1 Billur Köschk. 14 türkische Märchen, zum ersten Mal nach den beiden Stambuler Drucken der Märchensammlung ins Deutsche übersetzt 1923, 213 S.
Bd.2 Der Zauberspiegel.Türkische Märchen, zum ersten Mal aufgezeichnet und ins Deutsche übersetzt 1924, 165 S.
Hannover, Orient Buchhandlung H. Lafaire, (Beiträge z. Märchenkunde d. Morgenlandes)

Hrsg. und übersetzt von Otto Spies
Köln, Diederichs, 1991, 336 S.,
ISBN 3-424-00327-1

Hrsg. und übertragen von Otto Spies
Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 1992, 380 S.
Früher unter dem Titel:
Türkische Volksmärchen

Hrsg. von Adelheid Uzunoglu-Ocherbauer
Frankfurt a. M., Fischer, Neuauflage 1994, 154 S., ISBN 3-596-22903-0

Mit 28 farbigen Illustrationen von Zeki Findikoglu
Hrsg. und eingeleitet von Talat Sait Halman
Istanbul, Dost Yayinlari, 1993, 107 S

Hrsg. von Pertev Naili Boratav
Mit 20 Illustrationen von Abidin Dino
Fachredaktion: Friedmar Geißler
Berlin / DDR, Akademie-Verlag, 3. Aufl. 1970, 360 S.
Neuauflage: Köln, Diederichs, 1990,
340 S.
Enthält insgesamt 40 Märchen, von denen 22 dem 1958 in Istanbul erschienenen Buch „Zaman Zaman Içinde“ entnommen sind.

Hrsg. Otto Spies
Düsseldorf / Köln, Diederichs, 1978, 331 S

 

Herausgeber: Elisabetta Ragagnin,Sevgi Agcagül
Illustrator: Elisabetta Ragagnin
DTV Deutscher Taschenbuch, 2008,
256 S., ISBN: 3423136995
Dieser Band vereint Kostbarkeiten aus dem reichen Erzählschatz Anatoliens. Hierzulande Bekanntes wie ein Tischlein, das im Handumdrehen die herrlichsten Leckereien herbeizaubert ist darin ebenso anzutreffen wie für den türkischen Raum Typisches, beispielsweise der kahlköpfige Junge aus ärmlichen Verhältnissen, der mit List und Verstand seine Umwelt überrumpelt. Böse Drachen, aber auch gute, mit Zauberkräften ausgestattete Helfer aus dem Tierreich sind vertreten: Kamertaj, das Mondross, das die Heldin oder den Helden überall hinfliegen kann, oder Der Smaragdphönix, dessen majestätische Flügel die Sonne verdecken können. Im Zentrum der Geschichten steht immer wieder die Schlauheit der Frauen, die im türkischen Märchen erstaunlich emanzipiert daherkommen und ihren männlichen Widersachern in nichts nachstehen.
Alle Geschichten setzen sich zusammen aus Stoffen und Motiven unterschiedlichster Herkunft, da das Erzählgut Anatoliens im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von nahöstlichen und indischen Märchenelementen beeinflusst und mit diesen vermischt wurde. Derartige Einflüsse und weitere interessante Informationen erläutern die Herausgeberinnen in einem kenntnisreichen Nachwort.

Hrsg. von Ignacz Kunos
Leipzig / New-York, 1907. 2 Bd.
Auch in: Materialien zur Kenntnis des rumelischen Türkisch
(Neudruck 1980: Beiträge zum Studium der türkischen Sprache und Literatur 2)

Gesammelt, übersetzt und eingeleitet von J. Kunos (d.i.Ignacz Kunos)
Leiden, 1905

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