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Tosuner, Necati

Necati Tosuner (geb. 1944 in Ankara) lebt in Istanbul und zählt seit der Erscheinung seines ersten Erzählbandes (1965) zu den eigenartigsten und unverwechselbaren Erzählern in der türkischen Moderne. Dafür ist er mit renommierten Literaturpreisen des Landes ausgezeichnet worden. Nicht nur die besondere, wohl auch einmalige Thematik in der türkischen Literatur macht Necati Tosuner zu einem anerkannten Erzähler, sondern zugleich sein ausgeprägter Gestaltungssinn und seine sprachliche Sublimierfähigkeit, die Umgangssprache zu einer lyrischen Prosa zu verdichten, ohne die spontane Leichtigkeit des gesprochenen Wortes zu verlieren. So entsteht aus dem ich zentrierten Realismus Tosuners eine fiktionale Wirklichkeit als Kunstprosa, in der das epische Ich, ein behindertes, zwischen gesellschaftlicher Zugehörigkeit und ständiger Einsamkeit seiltanzt.

Necati Tosuner erlitt als vierjähriges Kind einen Unfall, der seinen Wachstum beeinträchtigte und ihn zu einem kleinwüchsigen Buckligen werden ließ. Tosuners  Erlebnisse als Behinderter spiegeln sich in seinen Erzählungen als eine permanente innere Anspannung und tiefenpsychologische Auseinandersetzung mit den Mitmenschen, mit der Gesellschaft, die geneigt sind, den buckligen Menschen aus spottender bis verachtender Distanz sehen oder ihn einfach übersehen.  So ist der Buckel in Necati Tosuners Erzählungen gleichsam eine Metapher für  menschliche Makel und gesellschaftliche Missstände.

Werke

Erzählungen
Kurzgeschichten
Erlangen, Sardes Verlag, 2008 (TEDA Vorankündigung)

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