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Tekın, Latife

Geboren 1957 in Karacafenk in der mittelanatolischen Provinz Kayseri. Mit sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Istanbul, wo sie in einem Gecekondu-Viertel — so heißen die Slums der türkischen Metropolen — aufwuchs.

Bereits ihre erste Veröffentlichung Sevgili Arsız Ölüm (Lieber schamloser Tod), der das Leben einer vom Dorf in die Stadt ziehenden Familie aus der Perspektive eines Mädchens in märchenhafter, an den magischen Realismus Lateinamerikas erinnernden Weise beschreibt, die Grenzen des traditionellen „Dorfromans“ und löste eine Diskussion über die Rolle des Realismus in der türkischen Literatur und das eigene kulturelle Erbe aus. Ihr zweiter Roman, „Der Honigberg“, wurde in der Türkei zu einem der meistgelesenen Bücher.

Latife Tekin verfasste bisher acht Romane, der letzte davon ist Muinar (Muinar) 2006. Sie lebt heute als freie Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Istanbul.

Werke

Der Honigberg

Zürich, Unionsverlag, 1987, 128 S.
Abenteuerlich-windschiefe Häuser entstehen über Nacht auf der Müllhalde einer türkischen Großstadt. Der Sturm rupft an den Pappwänden, schließlich reißt er die Dächer davon, doch die Bewohner bleiben. Die Siedlung wächst stetig, und die Menschen trotzen dem Wind und den unermüdlichen Versuchen der Stadtherren, die Hütten niederzuwalzen. Frauen und Kinder sammeln und sortieren Müll, die Männer stehen Schlange vor Fabriken, die sie „Lungenschaden“ oder „Taubes Ohr“ nennen. Auf dem „Honigberg“ entstehen Kaffeehäuser, Bordelle, Moscheen; man lebt Tür an Tür mit Geistern und Dämonen, es wird gestreikt, gesungen, betrogen... Latife Tekins sprühender Roman entführt in eine Welt voller Burlesken, Tragödien und Romanzen. „Ein phantastisches Gebräu aus Mythen, Aberglaube und Parteienstreit.“

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