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Pamuk, Orhan

Orhan Pamuk, geboren am 7. Juni 1952 in Istanbul, wuchs in einer bürgerlichen Familie auf. Er studierte Architektur und Journalismus, ehe er sich dem Schreiben zuwandte. Heute ist er der bedeutendste türkische Schriftsteller. Seine Werke sind auf der ganzen Welt erschienen. Bereits für seine beiden ersten Romane, die bislang nicht auf Deutsch erschienen sind, wurde er mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Internationale Anerkennung erlangte er mit den Werken „Die weiße Festung“ (deutsch 1990), „Das schwarze Buch“ (deutsch 1995) und „Das neue Leben“ (deutsch 1998). Für „Rot ist mein Name“ (deutsch 2001), einen Künstler- und Kriminalroman, der im 16. Jahrhundert angesiedelt ist, erhielt Pamuk neben dem hochdotierten IMPAC-Literaturpreis weitere internationale Auszeichnungen.

„Schnee“ (deutsch 2005), Pamuks Roman über den Dichter Ka, der in eine verschneite anatolische Provinzstadt reist, den Putsch eines Schauspielers miterlebt, die Liebe entdeckt und einen Gedichtzyklus in Form eines Schneekristalls schreibt, wurde von der Kritik hoch gelobt und in der New York Times als das beste ausländische Buch des Jahres 2004 gefeiert. 2005 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Außerdem erhielt er den Ricarda-Huch-Preis und den Prix Médicis étranger. 2006 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. (Hanser Verlag)

Werke

In: Türkische Erzählungen des 20. Jahrhunderts, S. 267-277

Das Museum der Unschuld

Roman
München, Carl Hanser Verlag, 2008,
650 S., ISBN: 3446230610
Kemal, ein junger Mann aus der Oberschicht Istanbuls, verfällt der Liebe zu einer armen Verwandten – der blutjungen, naiven und wunderschönen Füsun. Was als Affäre begonnen hat, wächst sich bald zu einer Obsession aus, doch das hindert Kemal nicht daran, die Beziehung mit seiner Verlobten fortzuführen. Nach dem rauschenden Verlobungsfest lässt sich die Geliebte nicht mehr blicken. Verzweifelt erkennt Kemal, dass er Füsun über alles liebt. Doch es ist zu spät. Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk erzählt in seinem großen Liebesroman von einer Gesellschaftsschicht der Türkei, die in vielem ganz und gar westlich scheint und doch noch traditionelle Züge trägt – ein Kontrast, der subtile Ironie erzeugt.

Roman
München, Carl Hanser, 1998, 352 S., ISBN 3-446-19289-1

Osman, Architekturstudent aus Istanbul, verfällt einem rätselhaften Buch und zugleich der wunderschönen jungen Frau Canan, in deren Hand er das Buch zum ersten Mal gesehen hat. Als Canan plötzlich verschwindet, begibt sich Osman auf die Suche nach ihr und nach der Welt, die das Buch beschreibt. Teils Road novel, teils metaphysischer Krimi, erzählt der Roman von der Suche nach dem Sinn des Lebens. „Der junge türkische Schriftsteller Orhan Pamuk zeigt Europa, was Erzählen heißt.“ FAZ

Als Hörbuch, Vollständige Lesung, Sprecher: Ulrich Noethen.
Regie: Anna Hartwich
Produktion: NDR Kultur, 2006, 11 CDs, 770 Minuten, ISBN 3-89940-059-2
Hörbuchverlag

Das Schwarze Buch

Roman
München, Carl Hanser Verlag, 1995,
512 S., ISBN-10: 3-446-17389-7
Ein Mann auf der Suche nach der geliebten, grundlos verschwundenen Frau. Auch ihr Halbbruder ist unauffindbar, dessen Zeitungskolumnen erscheinen jedoch weiterhin. Ein geheimnisvoller Hinweis? Tagelang streift Galip, Orhan Pamuks Held, durch die schillernde Ober- und Unterwelt Istanbuls, begegnet Zuhältern, Derwischen, Betrügern. Pamuks Roman und Kriminalgeschichte ist wie die Stadt am Bosporus voller Labyrinthe, alles wird symbolisch. Suchend ergründet Galip die Mysterien der Stadt und der eigenen Vergangenheit. „Die Stadt Istanbul hat ihren Meister gefunden, wie einst Dublin in James Joyce, Prag in Franz Kafka“. Stuttgarter Zeitung

Audiobook
Hamburg, Hörbuch, 2008,
ISBN 978-3899037951

Frankfurt a. M., Insel, 1990, 200 S.
„Schauplatz der Handlung ist Istanbul unter der Herrschaft des Großwesirs Köprülü. Die Türken sichern sich den Sieg über Venedig und später über Siebenbürgen. Beim Aufbringen venezianischer Schiffe fällt der Ich-Erzähler in türkische Hände und landet als Sklave bei einem Hodscha, der ihm verblüffend ähnlich sieht. Eine abenteuerliche Beziehung beginnt zwischen Herr und Knecht, denn der Knecht ist der Born westlicher Wissenschaft, und der Herr, naiv, neugierig, ehrgeizig, will alles wissen.“ (Verlagstext)

Istanbul. Erinnerungen an eine Stadt

München, Carl Hanser Verlag, 2006,
432 S., ISBN 3446208267

Orhan Pamuk, der 2006 den Nobelpreis für Literatur erhielt, ergründet in Istanbul die Geheimnisse seiner eigenen Familie und führt uns an die verlorenen Paradiese der sagenhaften Stadt. Er beschreibt die verwunschenen Villen und verwilderten Gärten, die Wasserstraßen des Bosporus und des Goldenen Horns und die melancholischen Gassen der Altstadt. „Istanbul“ ist ein Porträt der legendären Stadt an der Schnittstelle zwischen Ost und West und zugleich ein Selbstbildnis des Schriftstellers als junger Mann.
 

Eine Dokumentation über den Literaturnobelpreisträger 2006 Orhan Pamuk (45 min.)
Regie: Florian Leidenberger (Complete Pictures GmbH)
DVD im Buchhandel erhältlich
Orhan Pamuk: „Er hatte eine große Bibliothek. Er wollte ein Dichter sein. Aber er war dafür nicht begabt genug. Und als ich selber im Alter von 22 Jahren ein Romanschriftsteller werden wollte, hat er mich immer ermutigt und das war sehr wichtig für mich. Und so habe ich über meinen Vater immer mit Dankbarkeit gesprochen.“ 

Roman
Fischer 2. Aufl. 2004,
ISBN 3-596-15660-2
Orhan Pamuk ist der bedeutendste Gegenwartsautor der Türkei, sein Buch von schillernder Opulenz: historischer Kriminalroman und Liebesgeschichte.
Man schreibt das Jahr 1591, Istanbul ist vom Schnee bedeckt. Ein Toter spricht zu uns aus der Tiefe eines Brunnens. Er kennt seinen Mörder, und er kennt auch die Ursache für den Mord: ein Komplott gegen das gesamte Osmanische Reich, seine Religion, seine Kultur, seine Tradition. Darin verwickelt sind die Miniaturenmaler, die beauftragt sind, für den Sultan zehn Buchblätter zu malen, ein Liebender und der Mörder, der den Leser bis zum Schluss zum Narren hält. Ein spannender Roman, der, als historischer Krimi verkleidet, immer wieder auch auf die gegenwärtige Spannung zwischen Orient und Okzident verweist.

Schnee

Roman
München, Carl Hanser Verlag, 2005,
520 S., ISBN 3-446-20574-8
Ein Fremder kommt nach Kars, eine türkische Provinzstadt, um eine merkwürdige Serie von Selbstmorden zu untersuchen: Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie zwang, das Kopftuch abzulegen. Plötzlich kommt es zu einem Putsch, inszeniert von einem Schauspieler. Ein Theatercoup? Doch es fließt echtes Blut, es intervenieren echte Soldaten, keiner kann die Stadt verlassen, weil es unaufhörlich schneit… Ein aktueller Roman, in dessen Zentrum die Frage nach der Identität der Türkei zwischen „Verwestlichung“ und Islamismus steht.

Romanauszug
In: Jedem Wort gehört ein Himmel,
S. 143-150

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