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Nesın, Aziz (Mehmet Nusret Nesin)

1915 - 1995

Aziz Nesin 1915 in Istanbul geboren, 1995 in Izmir gestorben, wuchs in Istanbul auf. Nach dem Abschluss einer Kadettenschule war er bis zu seiner Entlassung als Offizier tätig (1939 – 44). Danach schrieb er für Zeitungen und gab bald sein erstes Satiremagazin heraus. Seine politische Tätigkeit brachte ihm in den Jahren des Kalten Krieges oft Haftstrafen und die Schließung seiner Zeitschrift ein, die er immer wieder unter einem anderen Titel publizierte. Sein politisches Engagement wurde umso spektakulärer, je älter er wurde: Nach dem Putsch initiierte er die kritische Petition der Intellektuellen gegen die herrschenden Militärs (1984) und die Veröffentlichung von Die satanischen Verse von  S. Rushdie auf Türkisch. 1972 gründete er die Nesin-Stiftung für Waisenkinder, deren Heim er bis zu seinem Tod leitete. Nesins erste Sammlung erschien 1946, auf die weitere erfolgreiche satirische Bände folgten und ihn zu einem der meistgelesenen Autoren in der Türkei und in Übersetzungen überall auf der Welt machten. 1985 wurde er in der Bundesrepublik Deutschland und in England zum Ehrenmitglied des PEN-Clubs ernannt. Mit seinen zahlreichen Satiren, Fabeln, Märchen, Romanen, Theaterstücken, Gedichten, Essays und Kritiken, die zum größten Teil in andere Sprachen übersetzt worden sind, gehört Nesin zu den meistgelesenen Autoren der Türkei.

Charakteristisch für Nesin ist sein einfacher, offener Stil. Seine Satiren sind jedem, selbst dem wenig Belesenen, leicht zugänglich. So findet er auch bei Kindern und Jugendlichen großen Anklang, vor allem mit den Geschichten, die unmittelbar auf ihre Probleme eingehen.

Werke

Über Kultur, Literatur und Demokratie
Hrsg. und bearbeitet von Helmut Essinger, Onur Kula und Necati Mert
Saarbrücken, Die Brücke, 1993, 216 S.

In: Modern Türk Klasikler, S. 118-131

Der einzige Weg

Roman
Berlin, ikoo, 1981, 432 S.,
ISBN 3886779289
Zürich, Unionsverlag, 2 Aufl. 2002,
375 S., ISBN 3293200532
„Den Helden dieses Romans lernte ich 1951 im Paschakapi-Gefängnis von Istanbul kennen. Er war ein notorischer Betrüger und hatte ein eindrückliches Vorstrafenregister. Wie viele Häftlinge war auch er ein meisterhafter Erzähler. Wenn die ausgedachten Erlebnisse bei seinen Zuhörern gut ankamen, verbesserte er sie, ließ etwas weg, fügte anderes hinzu, und gab dem Ganzen schließlich die bestmögliche Form, so wie ein Schriftsteller mehrere Konzepte macht, die er dann bearbeitet. Seine wirkungsvollsten Schöpfungen erzählte er so oft, dass er zum Schluss selbst daran glaubte. Keine seiner Betrügereien stellte er in Abrede. Er bauschte sie sogar noch auf. Er sagte bloß immer: „Mir blieb nur ein einziger Weg: Betrug ...“

Berlin / DDR, Eulenspiegel Verlag, 1968

In: Akzente. Heft 6 / Dezember 1980,
S. 530-538

Satiren
Türkische Humoresken.
26 satirische Erzählungen
Wien, Paul Neff, 1962. München, Goldmann, 1964, 185 S.
Titelgeschichte auch in: Sechs Nachtwächter auf einem Karussell44 , S. 61-72
Die Häuser am Nachtigallenhain

Berlin, ikoo Verlag, 1995, 144 S.
ISBN-10: 3886779610

In: Von Istanbul nach Hakkari, S. 50-64

Satiren
Berlin, Eulenspiegel, 1964, 223 S.

Roman
(Mit einem Vorwort des Übersetzers)
Leipzig, Rütten & Loening, 1965, 363 S.

Politische Satiren und ein Stück aus der Türkei
Berlin, Edition der 2 (neuere Aufl.: ikoo), 1978, 128 S.
Das satirische Theaterstück „Ein Schiff namens Demokratie“ war in der Bundesrepublik auch in einer Schattenspiel-Fassung erfolgreich (vgl. folgenden Eintrag)

Ein Schiff namens Demokratie

Zeitgenössisches türkisches Schattenspiel. Deutsch/Türkisch
Buch und Toncassetten (90 Min.)
Berlin, ikoo, 1984, 112 S.

Meistersatiren aus fünfzig Jahren
Hrsg. von Yüksel Pazarkaya
München: Beck, 1996, 311 S.,
ISBN 3406412432
Warum juckt es Herrn Rifat nur so fürchterlich? Ist eine der drei gefüllten Puten, die er sich gestern einverleibt hat, etwa verdorben gewesen? Sein Freund, den er um Rat fragt, beruhigt ihn, verdächtigt dann aber den Barsch in Mayonnaise, von dem ihm der Geplagte eben noch ächzend vorgeschwärmt hat. Einig sind sich die beiden jedenfalls darin, dass weder Grießschmarren noch Raki je geschadet haben – ebensowenig wie die schönen fetten Lammhaxen, mit denen sie heute Herr Osman bewirtete. Bleiben dann also wirklich nur die Rahmfadennudeln, in Sirup getaucht? Wenn es nur nicht so jucken würde!
Der türkische Satiriker Aziz Nesin gilt spätestens seit seinem Tod im Jahre 1995 als moderner Klassiker. Wegen seines ungebrochenen Kampfes für Menschenrechte, Freiheit und Humanität wurde er als „intellektuelles Gewissen der Türkei“ weit über deren Grenzen bekannt, wurde er hierzulande mitunter als „türkischer Böll“ gerühmt.

In: Türkische Erzählungen des 20. Jahrhunderts, S. 42-54

Erzählung
In: Moderne türkische Erzählungen,
S. 150-164

Politische Satiren aus der Türkei
11 Erzählungen
Berlin, ikoo, 1987, 144 S.

Aus dem Türkischen von
In: Sechs Nachtwächter auf einem
Karussell, S. 72-81

Autobiographie
Berlin, ikoo, 1985, 250 S.
Erster der vom Autor auf sieben Bände angelegten Autobiographie. Darin setzt er sich mit den Veränderungen der türkischen Gesellschaft in den letzten fünfzig Jahren auseinander, wobei der Leser oft nicht mehr weiß, ob Nesin tatsächlich Erlebtes berichtet oder der satirische Geschichtenerzähler mit ihm durchgeht.

Surnâme. Man bittet zum Galgen

Zürich, Unionsverlag, 1996, 123 S.,
ISBN 3293200664

In: Die Pforte des Glücks, S. 52-63

In: Sechs Nachtwächter auf einem Karussell, S. 54-60

Wie bereitet man einen Umsturz vor?

Satiren 
Berlin, Edition der 2 (neuere Aufl.: ikoo), 1977, 143 S.

Satiren
Geschichten rund um die Polizei.
Berlin, ikoo, 1984, 144 S.

Wir leben im 20. Jahrhundert
Satiren aus dem türkischen Alltag
Berlin, ikoo, 1983, 144 S.
Eine Auswahl von 23 humorvollen Geschichten, in denen sich der Autor über die Verhaltensweisen von Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten in der Türkei lustig macht.

In: Geschichten aus der Geschichte der Türkei, S. 89-93


Erzählungen aus der Türkei.
Satiren
Illustrationen von K. H. Appelmann
Berlin / DDR, Eulenspiegel, 1975, 192 S.

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