türkischdeutsche-literatur

Hıkmet, Nazim (Ran)

1902 - 1963

Nazim Hikmet Ran wurde 1902 als Sohn einer kosmopolitischen osmanischen Familie in Thessaloniki geboren. Seine Kindheit hat Hikmet in Anatolien zugebracht; dort war sein Vater, Mehmet Nazım Pascha, Statthalter des Sultans. Hikmet hat sich sein Leben lang leidenschaftlich mit politischen Fragen beschäftigt. Zunächst stellte er sich in den Dienst der bürgerlichen Revolution. Nach dem Siege Mustafa Kemals ging er zur linken Opposition über; 1922 reiste er zum IV. Kongress der Komintern nach Moskau. Dort freundete er sich mit Majakowski, Jesenin und Meyerhold an und studierte Soziologie. In die Türkei zurückgekehrt, arbeitete er als Journalist und Dichter und wurde zum charismatischen Anführer der türkischen Avantgarde, verfasste innovative Gedichte, Theaterstücke und Filmszenarien.


Wegen seiner revolutionären politischen Tätigkeit wurde er mehrmals vor Gericht gestellt und zuletzt 1938 wegen Hochverrats zu 29 Jahren Einzelhaft verurteilt.


Als Mitglied des Weltfriedensrates ging Hikmet auf Reisen nach Wien, Prag, Warschau, Berlin und andere europäische Städte. Gleich vielen engagierten Wissenschaftlern und Künstlern trat er gegen die atomare Aufrüstung und den Koreakrieg auf, in dem auch türkische Soldaten in den Kampf auf Seiten der US-Amerikaner geschickt worden waren. Seine Gedichte und Lieder wurden zur Stimme der Friedensbewegung und in viele Sprachen übersetzt. Sänger wie Paul Robeson und Pete Seeger popularisierten Gedichte wie „Kizçocugu“ (Das Mädchen) durch ihre Interpretationen in den 50er und 60er Jahren. Nazim Hikmet starb am Morgen des 3. Juni 1963 in Moskau.


Hikmet ist ein radikaler Erneuerer der türkischen Dichtkunst, er löste sich von den Regeln der klassischen osmanischen Diwandichtung, brach radikal mit den überlieferten metrischen Normen und führte den freien Rhythmus ein. Er fand eine eigene lyrische Sprache, dank deren Einfachheit er zum ersten modernen Volksdichter wurde. Ein Lyriker mit unfehlbarer Sicherheit und großer Kühnheit in der Verwendung der Sprache, einer der Großen des 20. Jahrhunderts.

Werke

Illustrationen von Abidin Dino
Berlin, Ararat Verlag, 2. Aufl. 1981, 46 S.

Frankfurt a. M., Suhrkamp, 1973

Illustrationen von Abidin Dino
Berlin, Ararat Verlag, 1981, 108 S.
Es gilt als eine seiner reifsten Dichtungen. Das Epos hat den Volksaufstand unter Scheich Bedreddin und Börklüce Mustafa zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Westanatolien zum Thema und ist als Rahmenerzählung angelegt. Die Rahmenteile stehen als Prosa, die Haupthandlung in freien Versen. (Gisela Kraft)

Das schönste Meer ist das noch nicht befahrene / En Güzel Deniz Henüz Gidilmemis Olandir

Zweisprachige Liebesgedichte
Frankfurt a. M., Dagyeli Verlag, 1989, 250 S.
Überarbeitete Neuauflage 2008, 248 S.,
ISBN 978-3-935597-03-6

Epos — In jenem Jahr 1941
Berlin / DDR, Rütten u. Loening, 1986

Die Luft ist schwer wie Blei / Hava Kursun Gibi Agir

Frankfurt a. M., DagyeliVerlag, 1988,
264 S., Neuauflage 2008

Die Romantiker

Roman
Nachwort von Peter Bichsel
Luchterhand Literaturverlag, 2. Aufl. 1989, 232 S.
(1. Aufl. Hamburg, Buntbuch, 1983, 242 S.)
Neuauflage Vorankündigung
Berlin, Suhrkamp Verlag  2008, 280 S., ISBN-10: 3518224360
In einer Hütte in Anatolien wartet 1924 der von einem tollwütigen Hund gebissene Nazim Hikmet die Inkubationszeit ab. Treten die im Lehrbuch beschriebenen Symptome auf? Zu den Ärzten will er nicht. Sie könnten ihn, den kommunistischen Aktivisten, verraten. In diesen vier Wochen erinnert sich der erst Zweiundzwanzigjährige an das, was er während seiner politischen Arbeit in Rußland und in der Türkei erlebt hat – und besonders an die geliebte Anuschka.

Die verliebte Wolke

Berlin / DDR, Kinderbuchverlag, 1968, 125 S.

Die verliebte Wolke

Ein Märchen
Illustrationen von Selçuk Demirel.
Hamburg, Edition Buntbuch im Germinal-Verlag, 1984, 32 S.

Schauspiel in drei Akten
Berlin / DDR, 1960

Frankfurt a. M., DagyeliVerlag, 1989, 288 S.
Überarbeitete Neuauflage, 280 S.,
ISBN 978-3-935597-04-3

In: Sirene. Zeitschrift für Literatur.
7. Jahrgang, Nr. 12/13, 1994

Mit neun Holzschnitten von Doris Kahane
Hrsg. von Annemarie Bostroem
Berlin/DDR, Volk und Welt, 1959, 140 S.

In: Wespennest 148 Türkei. August 2007.
Weitere Beiträge von: Elif Shafak, Ayfer Tunc, Ahmet Büke, Murat Gülsoy, Ahmet Ümit, Izzet Yasar, Hasan Ali Toptas, Birhan Keskin, Nese Yasin und Sema Kaygusuz.

„Mein Vater sagt, dass jeder Mensch sein Land lieben soll.
Mein Land ist in zwei geteilt.
Welchen der beiden Teile soll ich lieben?“

In: Österreichische Rundschau,
15. März 1916
Aus dem Osmanenreiche. Literarische Beiträge. Gesammelt von Dschelal Sahir.
Mit einer Einleitung von Universitätsprofessor Dr. Friedrich von Kraelitz-Greifenhorst. (Inhalt s. Anthologien)

Berlin, Mayer & Müller, 1917
(Türkische Bibliothek)

Hasretlerin Adi / Die Namen der Sehnsucht

Gedichte, Türkisch/Deutsch
Ammann – ISBN 978-3-250-10440-7
Die Neuübersetzung von Gisela Kraft erschließt endlich auch die existentielle Dimension dieses außergewöhnlichen Lyrikers. Ihre Auswahl ist eine Reise zu den Lebensstationen Hikmets: vom zarten Debüt des Elfjährigen aus Istanbul bis hin zur ironischen Skepsis im Moskauer Exil. Sie vollzieht seinen künstlerischen Werdegang nach und zeigt den Dichter in allen seinen Wandlungen: als Liebenden und Freund, als Kämpfer und Agitator, als Romantiker und avantgardistischen Sprachspieler. Hikmets Ton ist mal zweifelnd, verzweifelnd, mal maßlos mutig, mal lakonisch komisch – aber immer voll poetischer Intensität.

Gedichte
Verschiedene Nachdichter.
o.O., o. J., 242 S.40

In jenem Jahr 1941

Berlin, Neuwied/Rh., 1963, 132 S.

Zwei Schauspiele. Aus dem Russischen von Alfred Kurella
Leipzig, Reclam, 1962, 191 S.
„Als wichtigstes seiner Schauspiele wird sicherlich „Legende von der Liebe“ überdauern, eines der Stücke, die er in der langen Haftzeit nach 1938, neben der Arbeit an dem Ephos „Menschenlandschaften“, schrieb. Es ist die Bearbeitung einer seit dem Mittelalter in Vorderasien fortgeerbten und in kunstvollen wie volkstümlichen Fassungen überlieferten Liebesgeschichte.“41

Illustrationen von Abidin Dino
Hamburg, Edition Buntbuch im
Germinal-Verlag, 5 Bde.
Bd. 1 mit einem Vorwort von
Peter Paul Zahl, 4. Aufl. 1982, 120 S.
Bd. 2 mit einem Vorwort von Abidin Dino, 2. Aufl. 1981, 184 S.
Bd. 3, 2. Aufl. 1981, 136 S.
Bd. 4, 1980, 104 S.
Bd. 5, 1980, 93 S.

Nachtgedichte an meine Liebste

Illustrationen von Abidin Dino
Hamburg, Edition Buntbuch im Germinal-Verlag, 1985, 64 S.

Sümeyra – Lieder. Erich Schaffner – Rezitation.
Frankfurt a. M.: Kybele-Musikforum
Literatur und Musik Cakir, 2001,
Tonträger

Epische Dichtungen
Hamburg, Edition Buntbuch im
Germinal-Verlag, 1986, 200 S.

(Katalog zur Nazim Hikmet-Ausstellung)
Berlin, Türkischer Akademiker-
und Künstlerverein, 1977, 330 S.
[von und über Nazim Hikmet]

Gedichte
Berlin / DDR, Rütten und Loening, 1971, 244 S.

Schauspiel
Frankfurt a. M., Autorenagentur, 1981 [Textbuch und Aufführungsrechte]

Berlin/DDR, Kinderbuchverlag, 1978,
90 Seiten

Illustrationen von Hanefi Yeter
Berlin, Elefantenpress, 1980, 75 Seiten, ISBN: 3885200430

Auswahl des Heftes von Bernd Jentzsch
München, Damnitz Verlag, 1976, 32 S.42

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