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Bilge Karasu

Karasu, Bilge

1930 - 1995

Geboren 1930 in Istanbul, gestorben 1995, studierte Philosophie an der Universität Istanbul. Lehrte an der Philosophischen Fakultät der Universität Ankara. Erste Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften ab 1950. Er übersetzte auch aus dem Englischen und Französischen, u.a. Werke von William Faulkner, D. H. Lawrence und Simone de Beauvoir. „Seine Erzählungen sind durch philosophische Fragestellungen und die Behandlung der inneren Befindlichkeit des Individuums gekennzeichnet.“

Werke

Romanauszug
In: Jedem Wort gehört ein Himmel, S.280

Erzählzyklus
Frankfurt a. M.: Literaturca-Verlag, 2002
13 Einzelgeschichten bilden eine ungewohnte Gesamterzählung: 12 sind in eine Rahmenerzählung eingebettet und durch innere Strukturen und Motive miteinander verbunden, die an den unerwartetsten Stellen auftauchen...
So kann man die Geschichten des Katzenliebhabers Karasu als eine fabulierende Lektüre über die Tücken des Lebens, über Begegnungen mit Menschen, Tieren, Ereignissen und Überraschungen sehen und einfach die Klugheit des Autors genießen. Man kann sie aber auch als eine Allegorie lesen, als eine Kette verdeckter Botschaften: Über die “Migration” oder deutlicher noch, über das Verlassen der Heimat, das nicht immer freiwillig geschieht.

Roman
Frankfurt a. M.: Literaturca – Verlag , 2001
Als Bilge Karasus’ Hauptwerk gilt der Roman Gece – Die Nacht. Um die Achse „Angst-Sprache“ baut Karasu diesen experimentellen Roman auf, der eine Meisterleistung der türkischen Literatur ist. Die Besorgnis über die faschistoide Marschrichtung der ganzen Welt war dabei nur ein Teil der Veranlassung zu diesem Roman, denn Karasu verlagerte das Hauptgewicht auf die tiefenpsychologischen Reaktionsketten: Die auf einfache Stimulierung entfesselbare, immergleiche, egoistische Angstreaktion des Menschen, die in ihrer Wiederholung und beliebiger Manipulierbarkeit offensichtlich immer wieder von Diktatoren genutzt werden kann. Angst macht die Menschen anfällig für Abhängigkeiten, Sprache ist oft Träger uralter Vorurteile und sie ist auch ein Mittel der Manipulation. So gesehen ist diese Themenkombination explosiver Stoff, trägt bis heute höchste Brisanz und bleibt aktuell.

In: Türkische Erzählungen des 20. Jahrhunderts, S. 95-113

In: Geschichten aus der Geschichte der Türkei, S. 178-183

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