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Yakup-Kadri Karaosmanoglu

Karaosmanoglu, Yakup Kadri

1889 - 1974

Geboren 1889 in Kairo, gestorben 1974 in Ankara. Seine Kindheit verbrachte er in Ägypten. Jurastudium in Istanbul. Von 1923 bis 1934 Parlamentsabgeordneter. 1934-1955 war er Botschafter in Tirana, Prag, Lahore, Bern und Teheran und wurde dann pensioniert. Bei seinem Tode war er Leiter der staatlichen Nachrichtenagentur „Anadolu Ajansi“. Yakup Kadri schrieb 60 Jahre lang Essays, Kurzgeschichten, dramatische Werke, Monographien und Memoiren. Aber sein eigentlicher Schwerpunkt lag immer auf dem Roman. Mit seinen oft skizzenhaften, ergreifenden realistischen Erzählungen und Romanen zählt Yakup Kadri zu den großen Begründern der türkischen Moderne. Sein erzählerisches Werk behandelt die qualitativen Veränderungen und Sprünge in der jüngsten Geschichte der türkischen Gesellschaft bis in die Jahre nach der Gründung der Republik. Er ist einer der Autoren, die wesentlich zur Entwicklung der modernen türkischen Sprache beigetragen haben.

Werke

Novelle
In: Flamme und Falter
Auch in: Das Geisterhaus. Türkische
und ägyptische Novellen, S. 163ff

Roman
Leipzig, A. H. Payne Verlag, 1939
Neuauflage: Frankfurt a. M., Suhrkamp, 1988, 300 S., ISBN 3-518-01994-5
„Zweifellos ist Yaban ein nationales Werk, aber es malt das Vaterland nicht in rosigen Farben, sondern als karge, mitleidlose Öde, die ihre Bewohner geformt hat. Es zeigt, daß mit dem Krieg noch wenig gewonnen ist, daß man nun auch dieses Volk gewinnen und der jahrhundertlangen Vernachlässigung entreisen muß: „Du und ich, wir haben sie seit Jahrhunderten inmitten dieser schroffen Natur...als einen Haufen Verunglückter zurückgelassen. Hunger, Krankheit und Verlassenheit haben sich ihnen zugestellt. Und in der pechschwarzen Nacht der Unwissenheit sind ihre Seelen wie in einem von allen Seiten vergitterten Kerker eingesperrt geblieben.“ Dieses Schuldbekenntnis des türkischen Intellektuellen ist nie vorher und selten danach mit solcher Härte und Eindringlichkeit ausgesprochen und zugleich in so differenziert-knapper situations- und Charakterschilderung konkretisiert worden.“34  

In: Die Pforte des Glücks, S. 204-208

2 Erzählungen
In: Das Blutgeld und andere türkische Novellen, S. 86-95

Erzählungen
Leipzig, Hans Lohmann Verlag, 1923

Flamme und Falter

Roman
Ein Derwisch-Roman. (Im gleichen Band die Novelle „Aus dem Garten der Weisen“, Originaltitel: Erenlerin Bagindan)
Gummersbach, 1947
Neuauflage: Köln, Diederichs, 1986,
208 S.
„... Roman führt in das Leben eines Bektaschi-Klosters bei Istanbul zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er ist eine sowohl aus türkischer als auch aus europäischer Sicht kritische Beschreibung der nicht gerade frommen Sitten des die absolute Liebe zwischen Gott und den Menschen predigenden und praktizierenden Ordens und eine psychologische Studie der einzelnen Charaktere, vor allem des jungen Klostervorstehers und der Frauen, die er zu seinen willenlosen Anhängerinnen und Geliebten macht.“35 

Türkische Erzählungen
Bonn, Europäische Bücherei, 1958, 167 S.

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