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Gürsel, Nedim

Nedim Gürsel, 1951 in Gaziantep geboren, Absolvent des Galatasaray-Gymnasiums in Istanbul, studierte französische Literatur und Komparatistik an der Sorbonne. Er lebt in Paris, wo er am nationalen Forschungszentrum (CNRS) tätig ist; an der Sorbonne unterrichtet er türkische Literatur. Gürsel schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen und macht Programme für Radio- und Fernsehsender. Bekannt wurde er schon früh mit seinen Kurzgeschichten, in denen er Themen wie die Widerspiegelung der äußeren Welt im Bewusstsein und die Selbstentfremdung des Individuums in einer poetischen und experimentellen Weise aufgreift. Mit seinen Romanen „Bogazkesen“ (1995, dt. Der Eroberer) und „Resimli Dünya“ (2000, dt. Turbane in Venedig), die hohe Auflagen erreichten, gesellt sich Nedim Gürsel zu den Autoren von historischen Romanen, die seit den Neunzigerjahren die osmanische Vergangenheit in postmoderner Weise zum Gegenstand ihres Schreibens machen. Nedim Gürsel erhielt für seine Kurzgeschichten zahlreiche Preise und wurde in diverse Sprachen übersetzt.

Werke

Aus: „Ein Sommer ohne Ende“
In: Die Türkei erzählt, S. 117-123

In: Jedem Wort gehört ein Himmel,
S. 166-178

Der Eroberer

Roman
Genehmigte Taschenbuchausgabe,
1. Aufl. München, Goldmann, 2000.
345 S., Lizenz des Ammann-Verlags, Zürich
Ein Schriftsteller verbringt mit Frau und Freunden den Sommer in einer alten Villa am Bosporus. Aufs Neue ist er begeistert von seiner Heimatstadt Istanbul und vor allem von Mehmet II., dem Eroberer von Konstantinopel ... Abgekapselt in seine Welt der Worte und der Faszination für den leidenschaftlichen Herrscher erlegen, der Istanbul wie kein zweiter zu prägen vermochte, entfernt sich der Erzähler mehr und mehr von der Realität des täglichen Lebens, um einzutauchen in die geheimnisvollen Tiefen der osmanischen Welt.

Die erste Frau

Erzählung
Illustrationen von Hanefi Yeter
Frankfurt a. M., Dagyeli Verlag, 1986, 120 S., ISBN 3 924320 29 2
Ein junger Mann, Internatsschüler in Istanbul, 16 Jahre alt, treibt sich an einem schulfreien Tag ziellos auf den Straßen der Stadt herum, gequält bis zur Übelkeit von Heimweh, diffusen sexuellen Wünschen und Sehnsucht nach seiner Mutter, die für ihn die „erste Frau“ und die Verkörperung der Liebe ist.

In: Liebe, Lügen und Gespenster, S. 40-49

Die sieben Derwische

Kritische Legenden
Berlin, Suhrkamp Verlag, 2008,
etwa 150 S., ISBN 978-3-458-17401-1
(Vorankündigung)
Nedim Gürsel hat ein schmales Buch über sieben große Figuren des Sufismus geschrieben. Er hat Anatolien durchstreift auf den Spuren von Rûmi (Konya), Haci Bektas (inneres Anatolien), Abdal Musa (Taurusgebirge), Kaygusuz Abdal (Alanya), Merkez Efendi (Manisa), Geyikli Baba und Emir Sultan (Bursa), um von dem legendären Leben der Derwische zu berichten, von den Landschaften und der Geschichte, die ihr Denken beeinflußt haben. Der anatolische Sufismus zeigt das Bild eines toleranten und offenen Islam.

In: Türkische Erzählungen des 20. Jahrhunderts, S. 255-267

Erzählung
Illustrationen von Seyma Soydan
Frankfurt a. M.: Dagyeli Verlag, 1988, 198 S., ISBN 3 924320 66 7

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