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Erdoğan, Aslı

Aslı Erdoğan, 1967 in Istanbul geboren, studierte Informatik und Physik an der Bosporus-Universität in Istanbul und machte dort 1993 ihren Abschluss. 1990 gewann Aslı Erdoğan den viel beachteten Yunus-Nadi-Preis. Vier Jahre später gab sie ihre Karriere als Physikerin auf und konzentrierte sich auf das Schreiben. 1996 erschien ihr erster Roman „Mucizevi Mandarin“ (Der wundervolle Mandarin), und seither lebt die Autorin als freie Schriftstellerin in Istanbul. Erdoğan ist Mitglied des PEN und der türkischen Schriftstellervereinigung sowie Gründungsmitglied des Kunst- und Literaturforums von Diyarbakır, wo sie regelmäßig Workshops, Seminare und Vorlesungen abhält. In ihren Werken erkundet sie stets das Fremde, das Andere vor dem Hintergrund der türkischen Gesellschaft und der globalen Entwicklungen. In ihren Romanen versucht sie, Erfahrungen wie Leid, Einsamkeit und Gewalt etwas entgegenzusetzen.

Werke

Roman
Berlin: Galata / Dagyeli Verlag, 2008, ISBN 978-3-935597-73-9
(Vorankündigung)

Eine Vagabundin in den Straßen von Genf. Auf der Flucht vor ihrer Kindheit, ihren Mädchenjahren, vor der Stadt ihrer Vergangenheit, der Stadt, die sie zu dem gemacht hat, was sie ist: eine scheue, unglückliche Frau des nahen Ostens. Wir begegnen ihr eines Nachts, während sie ziellos, im Schutz der Dunkelheit umherwandert. Sie ist verletzt. Nicht nur im Herzen, nicht nur weil der Spanier Sergio, den sie voller Selbsthingabe geliebt hat, eines Tages ohne jede Erklärung weitergereist ist. Kurz nach ihrer Liebe hat sie auch ihr linkes Auge verloren. Mit ihrer einäugigen Erscheinung, einer Gesichtshälfte voller Bandagen, erschreckt sie die Menschen, die ihr begegnen. Sie fühlt sich wie ein Gespenst, eine Außenseiterin, damals in ihrer Stadt Istanbul wie heute Nacht hier in Genf.
„Asli Erdogan ist eine außergewöhnlich feinfühlige und scharfsichtige Autorin, ihre Romane sind vollendete Werke.“

Die Stadt mit der roten Pelerine

Nachwort von Karin Schweißgut
Zürich: Unionsverlag Verlag, 2008, 218 S., ISBN 3-293-10010-4

Rio de Janeiro: Stadt des Karnevals, Meisterin im Spiel der Täuschungs-
manöver, der Zufälle und der Maskerade.
Özgür, eine introvertierte junge türkische Akademikerin, kann sich von der ebenso faszinierenden wie bedrohlichen Stadt nicht lösen, ja sie fühlt sich vielmehr angezogen von der scheinbar grenzenlosen Freiheit und der Lebensfreude der brasilianischen Metropole. Weit entfernt hat sich dabei die junge Frau von der traditionellen Frauenrolle, wie sie die türkische Gesellschaft vorsieht. Nicht wie eine Touristin führt Özgür den Leser durch die Labyrinthe dieser Großstadt, sondern wie eine Migrantin, die das zunächst Fremde als Vertrautes und Eigenes akzeptiert.

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