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Erbil, Leyla

Leyla Erbil ist die Grand Old Lady der türkischen Frauenliteratur – unbotmäßig und unbeeindruckt von Konventionen.

Leyla Erbil wurde 1931 in Istanbul geboren. Sie studierte englische Philologie an der Istanbul-Universität. Danach arbeitete sie als Angestellte, unter anderem auch am Türkischen Generalkonsulat in Zürich. Für die Türkische Arbeiterpartei engagierte sie sich in den Bereichen Kunst und Kultur, bevor sie sich schließlich ganz dem Schreiben widmete. Leyla Erbil gilt als Pionierin einer von Frauen geschaffenen, neuen türkischen Prosa und ist bekannt für ihre innovative Schreibweise. In ihrem Werk experimentiert sie immer wieder mit neuen Erzähltechniken.

Werke

In: Türkische Erzählungen des 20. Jahrhunderts, S. 113-116

Erzählung
In: Aufbruch aus dem Schweigen, S. 41-46

Eine seltsame Frau

Roman
Nachwort von Erika Glassen
Zürich: Unionsverlag, 2006, 208 S.,
ISBN 3-293-10001-5
 
In „Eine seltsame Frau“ erzählt Leyla Erbil von der Bedrängnis einer 19-jährigen Studentin im Istanbul der späten 50er-, Anfang der 60er-Jahre. Eingekeilt zwischen traditionellen und religiösen Werten, Realitäten der Metropole und der aufkeimenden Studentenbewegung strebt sie nach persönlicher, dichterischer und politischer Emanzipation. Zu Hause ist sie mit ihrer auf Jungfräulichkeit fixierten Mutter konfrontiert, in den Cafés mit Pseudoliteraten und in ihrer politischen Organisation mit der Intelligenzija, die sich krampfhaft bemüht, zum Volk herabzusteigen. Das in der Türkei 1971 erschienene Buch ist nicht auf die Definition „Frauenliteratur“ beschränkt. Es bietet vielmehr einen ausgezeichneten Einblick in die sozialpolitische Entwicklung des Landes im letzten Jahrhundert, insbesondere in die Beschaffenheit der politischen Linken, die bis in die 80er-Jahre so geblieben ist. Das Buch sticht überdies aus den Neuerscheinungen hervor, die die Frauen aus der Türkei zum Thema haben. In Erbils Buch ist der Prozess der Selbstverwirklichung der Romanheldin ungemein komplexer als das bloße Ablegen des Kopftuches.

In: Zeitschrift für Kulturaustausch, 1985 /1, S. 100-105

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