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Halide-Edip Adivar

Adivar, Halide Edip

1884 – 1964

Die erste Schriftstellerin der modernen Türkei, Symbolfigur der Frauenemanzipation, war schon in osmanischer Zeit hohe Funktionsträgerin im Erziehungswesen und nahm aktiv am Unabhängigkeitskrieg teil. Wegen ihrer liberalen Ideen lebte sie nach der Gründung der Republik bis zum Tode Atatürks aus politischen Gründen im Ausland und starb 1964 als Professorin für Anglistik an der Universität Istanbul.

Werke

Das Flammenhemd

Roman
Wien/Berlin/Leipzig, Internationaler Verlag „Renaissance“, 2. u. 5. Aufl.
1923, 273 S.
Die großen politischen Auseinandersetzungen in der Türkei nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg bilden den Hintergrund dieses Romans.

Das neue Turan

Ein türkisches Frauenschicksal. Roman
Weimar, Verlag Gustav Kiepenheuer, 1916, 107 S. (Deutsche Orient Bücherei Bd. 6)
„Die Erzählung, die eine eigenartige Verquickung von politischer Utopie und Liebesroman bildet, wird einem Parteigänger und Neffen Hamdi Paschas in den Mund gelegt. Für die Dichterin ist es charakteristisch, daß unter den Idealen der neuturanischen Partei der soziale Fortschritt besonders der Frauen an erster Stelle steht.“ (E. Bryde)
Vgl. auch Erika Glassen!

Die Tochter des Schattenspielers

Roman
Originaltitel: The Clown and His Daughter
München, Manesse Verlag 2008,
592 Seiten, ISBN: 978-3-7175-2164-8
So aktuell wie nie: eine junge Türkin auf der Suche nach der eigenen Identität
Toleranz ist nichts, was einem in die Wiege gelegt wird. Man lernt sie. So wie Rabia, die Enkelin eines sittenstrengen Istanbuler Patriarchen. Konfrontiert mit westlichen Einflüssen und dem Fremden auch innerhalb der türkischen Kultur, wird Bildung ihr Schlüssel zum Glück. Halide Edip Adıvars unterhaltsamer Entwicklungsroman ist ein leidenschaftliches Plädoyer für kulturelle Offenheit.

Im Kleine-Leute-Viertel Sinekli Bakkal trägt niemand den Koran schöner vor als die kleine Rabia. So schön, dass sich der Polizeipräsident ihrer musikalischen Ausbildung annimmt und dem Mädchen den Blick in eine aufregend neue Welt ermöglicht. Sie begegnet Tanz und weltlichem Gesang, der Weisheit des Sufismus und einem italienischen Klavierlehrer, der keinem Disput aus dem Weg geht. Von der Gattin des Polizeipräsidenten erfährt Rabia endlich auch die Wahrheit über ihren Vater, den Schattenspieler und Freigeist, den die Mutter noch vor ihrer Geburt ins Exil hatte schicken lassen.

Halide Edip Adıvars Roman zeichnet ein differenziertes Panorama der türkischen Gesellschaft am Ende des Osmanischen Reiches. 1935 in englischer Sprache geschrieben und nur ein Jahr später von Adıvar selbst ins Türkische übersetzt, gilt er in ihrer Heimat bis heute als populärer Klassiker.

Briefroman
In: Türkische Geschichten. S. 99-1475
Ein Frühwerk der Autorin, ein Briefroman, der „fast ausschließlich die Psychologie der weiblichen Titelfigur“ behandelt. „Der verzweifelte Kampf zwischen Bewußtsein und Unbewußtem ist mit einer im türkischen Roman bis dahin unbekannten Eindringlichkeit und Realistik dargestellt.“ Das Buch „liefert einen interessanten Beitrag zum Thema des garplılasma, der „Verwestlichung“ oder „Europäisierung“, die auch in der relativ freien türkischen Oberschicht vielfach an der traditionellen gesellschaftlichen Trennung der Geschlechter scheiterte. Als eine der besten zeitgenössischen Darstellungen dieses Problems hat das Werk auch nach den späteren Welterfolgen Halide Edips seine Bedeutung behalten.“ (B. Atsız in Kindler)

Zwei Erzählungen
In: Das Geisterhaus. Türkische und ägyptische Novellen, S. 150-1576

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